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Rheinische Post Mönchengladbach am 6.9.2012

Text: Marburger Verhaltenstraining

Interview: Die Ergotherapeutin Jutta Junker über ihren Kurs zum Marburger Verhaltenstraining

 

Erstmals bietet die Ergotherapeutin Jutta Junker einen Kurs „Marburger Verhaltenstraining“ in ihrer Praxis an. Die Rheinische Post hat sich bei ihr näher darüber erkundigt.

Was ist das Marburger Verhaltenstraining?

Jutta Junker Es ist ein Training, das sich an Kinder ab 8 Jahren richtet, die ein problematisches Verhalten in der Gruppe zeigen, etwa in der Schule, wenn sie dort als „Klassenclown“ auftreten, sehr unruhig oder sogar aggressiv sind und durch ihr Verhalten auffallen wollen. Manchmal sind es jedoch auch sehr schüchterne Kinder, die gar nicht aus sich heraus kommen und zum Beispiel gar keine Antwort geben, wenn sie im Unterricht angesprochen werden.

Wie ist das Verhaltenstraining aufgebaut?

Junker Das Training baut einerseits auf positiven Bestärkungen auf. Wenn die Kinder ein Verhalten gezeigt haben, das gut war, bekommen sie dafür eine sofortige Belohnung, das kann ein kleiner Applaus sein oder auch ein Lolli. Wichtig ist hierbei, dass das Kind es sofort erhält. Fortlaufende Bestärkung erhalten die Kinder über Punktepläne. Andererseits gibt es aber auch zielorientierte Konsequenzen (gelbe und rote Karte) für z.B. Regelüberschreitungen wie das Ausscheiden aus einer Spielrunde, falls eine Regel gebrochen wurde („Time-out“). Das Training selbst setzt sich aus Übungen, Interventionen und Spielen zusammen. Hier dürfen die Kinder Dinge tun, die ihnen sonst nicht erlaubt sind, aber sie müssen sich dabei an feste Regeln halten. Sie lernen einerseits in spielerischen Aktionen Druck abzulassen, aber trotzdem Regeln einzuhalten. Andererseits beschäftigt sich das Training auch mit Entspannung, Selbst- und Fremdwahrnehmung sowie Konzentrationsübungen. Gerade Letzteres ist für die Schule sehr wichtig. Das Training lehrt auch, dass man sich z.B. entschuldigen muss, wenn man jemanden verbal oder physisch verletzt hat oder dass man nicht einfach in die Klasse hineinrufen darf sondern auch mal abwarten muss.

Wie werden die Eltern mit einbezogen?

Junker Begleitend zum Training werden mind. drei Elternabende veranstaltet, an denen auch gerne die Klassenlehrer der Kinder teilnehmen können. Dabei wird über das Training aufgeklärt und die Methode näher vermittelt. Die Eltern bekommen Tipps mit an die Hand, wie sie zur Deeskalation beitragen und ihr Kind unterstützen können. Denn auch nach dem Kurs sollen die Kinder die neuen Verhaltensweisen ja weiter umsetzen, auch zu Hause und in der Schule. Und je öfter sie da trainieren, desto besser.

Warum wird ein solches Training nicht in der Schule angeboten?

Junker Die Methode könnte durchaus auch am Nachmittag von geschulten Lehrern angeboten werden. Allerdings ist häufig das Problem, dass die Lehrer durch den allgemeinen Schulbetrieb selbst sehr beschäftigt eingebunden sind. Oft können sie die intensive Betreuung einzelner nicht mehr leisten. Manche Schulen bieten das Programm auch in ihrem psychologischen Dienst an, das ist hier in der Region aber eher (noch) nicht der Fall.

Wo liegen die Unterschiede zur Einzeltherapie?

Junker Das Marburger Verhaltenstraining wird bei uns in Gruppen mit vier bis acht Kindern durchgeführt. Das hat zum einen den Vorteil, dass die Kinder sich Dinge voneinander abgucken können, beispielsweise wenn sehr introvertierte Kinder mit impulsiven Kindern gemeinsam in der Gruppe sind. Zudem machen die Teilnehmer, etwa bei den Regelspielen, bestimmte Erfahrungen, besonders körperliche. Mit der Methode werden viel zügigere Erfolge erzielt als in der Einzeltherapie, da ja die Probleme der Kinder vor allen in Gruppen auftreten. Die Kinder können sich direkt in der Gruppe ausprobieren, bekommen sofort gezeigt, ob ihr Verhalten in Ordnung ist oder nicht, und lernen dadurch viel schneller. Auch lernen sie, mit ihren Gefühlen umzugehen.

Gibt es auch „schwierige“ Fälle?

Junker Natürlich gibt es auch Kinder, die nicht wollen oder sich weigern, an den Regelspielen teilzunehmen. Sie wollen dadurch meist die gewohnte Aufmerksamkeit erreichen. Das einfachste Vorgehen hierbei ist, das Kind einfach zu ignorieren. Da muss man als Therapeut selbst sehr konsequent bleiben, auch wenn es manchmal schwer ist. Das Kind merkt dann aber, dass es mit seinem Verhalten nicht den gewünschten Effekt erzielt, und da es mitbekommt, wie alle anderen Kinder für ihr tolles Verhalten gelobt werden, regelt sich das meistens ganz schnell.

Infokasten:

Im Kurs von Jutta Junker sind noch Plätze frei. Der Kurs startet am 13.9.2012 und geht über 20 Trainingseinheiten à 75 Minuten bis Ende Februar 2013. Nähere Infos und Anmeldung unter % 02161 5755817 oder www.ergo-junker.de

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