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Zeitung Delphin Netzwerk im Oktober 2009:

Tierisch gute Therapeuten

Insgesamt 11 vierhufige Kollegen unterstützen die Ergo- und Diplom- Reittherapeutin Jutta Junker bei ihrer Arbeit mit körperlich und geistig, sowie psychisch eingeschränkten Patienten. Der Einsatzbereich ist sehr vielseitig: Dieser fängt an bei Konzentrationsstörungen und Selbstwertgefühlmangel oder Ängsten, geht über Wahrnehmungsstörungen bis hin zu Schlaganfallpatienten oder Autisten und Menschen mit geistiger Behinderung.

Im Unterschied zur „Hippotherapie“ (Krankengymnastik auf dem Pferd) bietet die Reittherapie vielfältige Möglichkeiten, um nicht nur körperlichen Defiziten „auf die Sprünge“ zu helfen, sondern auch die sozio- emotionalen Aspekte mit zu fördern.

Die dritte Variante – das „Heilpädagogische Reiten oder Voltigieren“- wird in der Regel in Gruppen mit dem Schwerpunkt Verhaltensproblemen durchgeführt.

Die Praxis Junker bietet sowohl die Reittherapie als auch das Heilpädagogische Reiten an.

 

Die Therapie mit ausgebildeten Ponys stärkt die Körperwahrnehmung, Koordination, Beweglichkeit, Orientierung, Sensibilität, Selbständigkeit sowie das Selbstbewusstsein der Patienten. Neben dem Reiten mit gezielt ausgewählten Übungen und Spielen werden sämtliche Aktivitäten rund um das Pferd wie Saubermachen, Streicheln und Füttern in die Behandlung mit einbezogen. „Der Energiefluss, die Wärme, Unvoreingenommenheit und das unglaubliche Einfühlungsvermögen der Tiere steigert die Konzentration und schafft Vertrauen“ erklärt Jutta Junker. Ein Beziehungsaufbau zu dem eingesetzten Tier ist immer Grundlage der Therapie.

Hauptklientel für die Reittherapie in der Praxis Junker sind Kinder. Das sechsköpfige Therapeuten- Team hat sich darauf eingestellt und viele Übungen und Spiele entwickelt bzw. adaptiert, die die Kinder in ihren Schwächen optimal unterstützen und Defizite aufarbeiten. Es werden viele Medien eingesetzt wie z.B. Ringe, Reifen, Bälle, Sandsäckchen, Tücher, Hanteln, Stangen, Planen, Fingerfarben, Würfel, Holzbuchstaben oder Therabänder. Je nach dem, wo die Schwierigkeiten bei den kleinen Patienten liegen, werden diese gezielt in die Therapie eingebracht.

Das siebenjährige Mädchen Lisa war zum Beispiel sehr kontaktscheu, mochte nie etwas anfassen, liebte aber Tiere über alles. Nach einigen Therapieeinheiten konnte sie ihre Handschuhe, die sie immer vorsorglich trug, ausziehen und ihr Pony Kalle mit den Fingerspitzen berühren. Sie hatte Vertrauen zu ihm gefasst und wollte ihn nun mehr berühren. Durch diese Motivation ist es gelungen, ihre taktile Defensivität angehen und abbauen zu können. Den krönenden Abschluss bildete das Anmalen des Ponys mit Fingermalfarbe.

 

Neben motorischen Übungen zur Verbesserung des Gleichgewichts, der Körperwahrnehmung oder Koordination - wie Slalom oder rückwärts reiten, Klatschverse durchführen und Ringe angeln, sich auf das Pferd legen und tragen lassen oder mit Fingerfarbe auf das Pony malen - werden auch Spiele wie Memory oder Wortketten bilden, Wege durch Labyrinthe finden und das Nachlegen von Wörtern oder das Lösen von gewürfelten Rechenaufgaben durchgeführt. So finden auch Kinder, die sich in der Schule verweigern, wieder Spaß an Schulsachen und sind viel motivierter zu lernen, um beim nächsten Therapie- Besuch wieder ein paar Worte mehr dem Pony vorlesen zu können.

„Der kleine Nick bringt seinem Pony Fino zur Zeit das Lesen bei“ so Jutta Junker. Nick liest ein aus Holzbuchstaben gelegtes Wort vor, die Therapeutin geht mit dem Finger mit. Das in der Hand ein kleines Leckerli versteckt ist, so dass Pony Fino seinen Kopf ebenfalls mitbewegt, wissen nur die Therapeutin und Fino. Für Nick ist es ein toller Erfolg: „Ich habe Fino das Lesen beigebracht!“.

 

Auch die geprüften Therapiebegleithündinnen Lotte und Mace werden als Co- Therapeuten in der Ergotherapie- Praxis eingesetzt. Beide haben mit Jutta Junker zusammen eine Ausbildung durchlaufen, die mit einer Prüfung abgeschlossen wurde. Das Wesen und viele therapeutische Fertigkeiten sowie theoretisches Wissen wurden dort abgefragt. Somit sind sie bestens für den Einsatz in der Therapie gerüstet. Sie helfen oft, den ersten Kontakt zu vereinfachen und Vertrauen zu schaffen. Auch das Schaukeln zusammen mit einer der Hündinnen in der Hängematte oder der Therapieschaukel bereitet den kleinen Patienten viel Freude. Bei älteren Patienten ist das Lagern auf dem Hund z.B. von einem spastisch-gelähmten Arm eine große Unterstützung, um Entspannung zu bringen. Natürlich bereitet es auch allen Patienten eine große Freude und regt zur aktiven Bewegung an, wenn der Hund Dinge anbringt, die vorher geworfen wurden.

Feinmotorische Tätigkeiten wie z.B. der Bau von Türmchen mit Leckerlis oder das Auffädeln einer Kette mit Leckerlis, die nachher den wartenden Hunden gefüttert werden können, sind eine weitere Facette der Einsatzmöglichkeiten.

Durch die gute Ausbildung der Hunde ist auch ein Einsatz bei hundephobischen Kindern möglich, wenn der Therapeut die Qualifikation dazu hat.

 

Mehrere Meerschweinchen runden das Angebot der tiergestützten Therapie in der Praxis ab. Diese werden zum Streicheln, Beruhigen, genauem Beobachten oder Abzeichnen (Motivation für Schreibübungen) eingesetzt. Auch kann das Verantwortungsbewusstsein geschult werden, indem ein Patient pflegerische Aufgaben übernimmt. Natürlich kann durch den Kontakt zu den Tieren auch die Taktilität verbessert werden: Rosettenmeerschweinchen oder Glatthaarmeerschweine fühlen sich unterschiedlich an, auch Heu, Stroh, Späne oder Futter können erfühlt werden.

 

Durch ihre Größe haben sowohl Hunde als auch Kleintiere den Vorteil, dass sie mobiler einsetzbar sind und so für mehr Menschen zugänglich sind. Ob ein Besuch im Altenheim oder das Halten und Streicheln auf dem Schoß- beides beruhigt und hebt die Stimmung des Patienten.

 

Natürlich muss bei jedem Einsatz eines Tieres genau beachtet werden, dass es dem Tier dabei auch gut geht. Es eignet sich nicht jedes liebe Tier automatisch als Co- Therapeut. Gezielt ausgewählt und ausgebildet hat man aber verlässliche Partner, die mit nichts zu bezahlen sind! Gut ist es, wenn man verschiedene Charaktere und Größen eines Tieres zur Verfügung stehen hat. So findet man auch für jeden Patienten bestimmt den richtigen Partner.

 

Wichtig: Fragen Sie nach, welche Ausbildungen der jeweilige Anbieter hat und klären Sie ab, ob der Anbieter einen entsprechenden Versicherungsschutz nachweisen kann. Auch die Tiere/ der Stall/ die Unterbringung der Tiere sollte einen gepflegten und guten Eindruck bei Ihnen hinterlassen. Tierärztliche Untersuchungen sowie Impfungen und Wurmkuren (mind. 4x im Jahr) sollten regelmäßig durchgeführt werden. Der Begriff „Reittherapeut“ oder „Therapiebegleithundeführer“ ist nicht geschützt, deswegen könnte sich rein theoretisch jeder so nennen.

zeitung-delphin-netzwerk-im-oktober-2009
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